Schönheitsoperationen

Zu allen Zeiten gab es Schönheitsideale. Zu allen Zeiten fungierte der Körper als Träger ästhetischer oder erotischer Botschaften, er signalisierte Werthaltungen und sozialen Status, er diente der Stilisierung und der Inszenierung.Speziell auf Frauen, dem „schönen Geschlecht“, lastete das patriarchale Gebot, (für einen Mann) attraktiv zu sein. Was als attraktiv oder schön bezeichnet wurde, änderte sich im Lauf der Geschichte und unterschied sich auch von einer Kultur zur anderen. In keiner Zivilisation aber wurde der Körper der Natur überlassen, immer war er ein soziales Konstrukt.

So rigid Kleiderordnungen oder auch Moden in der Vergangenheit mitunter gewesen sein mögen, die neuen Methoden, sich dem gängigen Schönheitsideal anzunähern, sind höchst aggressiv. Es sind chirurgische Methoden, und sie sind nicht oder nicht ohne weiteres rückgängig zu machen. Die neuen Möglichkeiten der „Verschönerung“ haben jeglichen spielerischen Aspekt verloren. Für jede Region des Körpers und für jedes Alter werden Schönheitsoperationen angeboten.

Schätzungen zufolge werden in Österreich inzwischen 50.000 solcher Eingriffe pro Jahr vorgenommen, an die 90 Prozent davon an Frauen. Mit dem Boom wächst auch das Risiko von Fehlern, von Komplikationen, und es wächst die Unzufriedenheit mit dem Ergebnis, zumal jeder Arzt/ jede Ärztin solche Eingriffe – ohne Spezialausbildung – durchführen kann. Eine österreichische Umfrage aus dem Jahr 2008 ergab, dass der Prozentsatz der Frauen, die mit dem Ergebnis einer Schönheitsoperation „sehr unzufrieden“ sind, größer ist als der Prozentsatz jener Frauen, die damit sehr zufrieden sind.

Das Alter der Frauen, die sich der Schönheit wegen unters Messer legen, wird immer jünger. Das liegt zum einen daran, dass Medien so tun, als sei Schönheitschirurgie ein nahezu selbstverständlicher Bestandteil der Körperpflege. Die Körper von Frauen, die vor allem die Werbung präsentiert, sind allerdings kein Abbild der Realität, sondern Kunstprodukte. Sie sind „geschönt“ bzw. bis zu 60 Prozent retouchiert. Ergebnis: Immer mehr Frauen sind mit ihrem Aussehen unzufrieden. Hier wird eine Perfektion vorgegaukelt, die es nicht gibt. Schönheitsoperationen werden jedoch als Möglichkeit angepriesen, dem gängigen Schönheitsideal näher zu kommen.

Aber: Selbst- und Fremdwahrnehmung, so zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, überschneiden sich nur zu fünf Prozent. Das heißt, nur fünf Prozent von all dem, was eine Frau an sich als unattraktiv empfindet, wird von anderen überhaupt wahrgenommen. Anders gesagt: 95 Prozent, von dem, was eine Frau an sich im Ernstfall „verschönern“ lässt, fällt niemandem auf. Die negativen Folgen chirurgischer Eingriffe können allerdings sehr belastend und dauerhaft sein (z.B. Sensibilitätsstörungen, Depressionen).

Es empfiehlt sich daher, keine übereilten Entscheidungen zu treffen. Es könnte ja durchaus sein, dass nicht das Aussehen einer Behandlung, sondern das Selbstwertgefühl der Stärkung bedarf.

KONTAKT

Bei Fragen in Zusammenhang mit Schönheitschirurgie sollten Sie sich nicht nur an plastische ChirurgInnen wenden, sondern vorab auch an Frauengesundheitszentren  (siehe Adressenverzeichnis, Abschnitt: Gesundheit/ Krankheit/ Behinderung). Sowohl Frauengesundheitszentren als auch Mädchenzentren (siehe Adressenverzeichnis: Frauenberatungsstellen und Treffpunkte), bieten Vorträge zum Thema und Workshops für Mädchen zur Stärkung des Körperbewusstseins und des Selbstwertgefühls an.

NACHLESE

http://www.fgz.co.at/ (Themen – Schönheitsideale)